48.000 km mit dem Fahrrad um die Welt

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Ich möchte euch hier eine Weltreise mit dem Fahrrad vorstellen. Dieser Bericht stammt von Wilfried H.. Vielen Dank für diesen tollen Bericht und viel Spaß beim Lesen.

Beim Start unserer Weltradeltour waren wir zusammen schon 101 Jahre alt. Zum Glück war dies aber unseren Drahteseln egal. Wir hatten aber schon einige Radelerfahrungen aus vorher pedalten Touren. 2003 waren wir für 4 Wochen im Jemen unterwegs. Damals war radeln dort noch irgendwie möglich. 2004 besuchten wir unseren Sohn in Sri Lanka. Er war selbst 2003 von Deutschland aus in die weite Welt per Radel gestartet. Gemeinsam pedalten wir für 4 Wochen durch die herrliche Tropeninsel. Erst Jahre später reifte dann unser Entschluss die große Radelwelttour selbst zu wagen. Wir wollten unseren Sohn, sozusagen am Ende der Welt besuchen. 2007 war es endlich so weit. Wir hatten Martin versprochen zu kommen, allerdings würde es etwas länger dauern, denn mit den Rädern zu Besuch bis nach Neuseeland, dauert halt etwas länger. Aus diesem Versprechen wurde dann letztendlich unsere 4 jährige Tour um die Welt.

Ein Fazit unserer Reise: ,,Bei all den Erlebnissen über die vier Jahre wurde uns immer bewusster, wie kurz unsere Zeit auf diesem Planeten ist und wie klein und unwichtig wir doch eigentlich sind. Zwei radelnde Sandkörner in Raum und Zeit…‘‘

 Vorbereitung und Eingebung 

2006 wurde uns klar: Wir können noch sooft – wenn auch in der Regel so untypisch anders – Urlauben, ein schnelles Ende ist dabei leider immer in Sicht. Das wertvolle Gut Zeit war bei uns immer zu knapp bemessen. Wie viele Menschen auch, so vertrösteten wir uns gedanklich auf das noch ferne Rentenalter. Durch den frühen Tod unserer Väter wurde uns aber schnell bewusst, was mit erhofften Träumen urplötzlich geschehen kann.

Eigentum verpflichtet! Wir verkauften viel von unseren geliebten Eigenheiten. Dies aber waren noch die kleinsten Hürden, denn nebenbei mussten wir noch mit unseren Arbeitgebern einiges abklären und, und und ….

Nach 6 Monaten war die unendlich erscheinende Liste abgearbeitet und die Reise konnte beginnen.

 

Europa

Vom thüringischen Sonneberg aus ging es im April 2007 immer Richtung Süden. Die Donau war unser erstes Ziel. Diese begleiteten wir durch Bayern, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien bis Bulgarien. Der Donauabschied in Bulgarien viel uns recht schwer, denn meist waren die Donauwege Radel-schön, von Land zu Land lies auch der Muskelkater spürbar nach und die Ledersättel waren endlich eingeritten. Auch hatten wir endlich gelernt unseren Radelhaushalt in den Griff zu bekommen. Jedes Teil hatte nun seinen bestimmten Platz und das Auf- und Abbauen unserer Lagerplätze dauerte dann meist nur noch eine gute Stunde.

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Türkei

Fast drei Monate ließen wir uns für die Türkei Zeit. Wir lernten recht schnell, dass die Zeit für uns ein wichtiger Faktor sein wird, denn erst ab der Türkei fühlten wir uns irgendwie frei und die Zeit an sich spielte keine treibende Rolle mehr. Auch hatten wir nun das Gefühl, jetzt kann uns niemand mehr zurückholen, wir sind in Asien angekommen. Nach Istanbul ging es mitten durch die herrliche Türkei. Landschaften wie aus dem Bilderbuch, Karawansereien, Salzwüsten, Kappadokien, der Vansee und die meist netten Menschen, versüßten uns die türkischen Radelmonate. Besonders gut war es für uns in Kappadokien. Die Landschaft dort ist einmalig schön. Wochen könnte man da verbringen. Die Visa für den Iran wurden in Erzurum besorgt. 10 Tage dauerte die Visageschichte. Diese Zeit nutzten wir aber sinnvoll zu einem Ausflug ans Schwarze Meer. Am biblischen Berg Ararat öffneten die Iranis für uns dann aber sehr unkompliziert das verschlossene Grenztor.

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Mädchen in Kurdistan
Mädchen in Kurdistan

Iran

Auch wenn es oft schwer begreiflich erscheint, der Schurkenstaat Iran wurde für zwei Monate eines unserer angenehmsten Radelländer. Unvergessen ist dabei die eigentlich unbeschreibliche Gastfreundschaft der Perser. Da Gi (Gisela) im Iran für 4 Wochen Zahnschmerzprobleme hatte, lernten wir auch viele Zahnärzte kennen. Gi hätte sicherlich darauf verzichten können, doch letztendlich brachten uns diese Zahnprobleme auch viele weitere ungeahnte Einsichten in ein absolut interessantes Land. Leider, vielleicht auch zum Glück, wurden uns die Visa für Pakistan verweigert. So lernten wir auf der Strecke von Tabriz, Esfahan über Bandare Bushehr nach Bandare Abbas auch noch die iranische Küste am Persischen Golf kennen. Über 1000 km radelten wir immer am Golf entlang. In Bandare Abbas setzten wir mit einer Fähre in die Emirates über. Vorher besuchten wir noch die vorgelagerten Schmugglerinseln. Alles was es eigentlich im Iran nicht geben dürfte ( Heineken-Bier, unsaubere Videos, leckeren Krimsekt, süffigen Whisky ) bzw. Mangelware ist (Kühlschränke, Autoreifen, TV – Geräte, ausgefallene Klamotten und, und …), findet in Nacht – und Nebelbootsschmuggeltouren von Arabien herüber seinen Weg in den Iran.

Familienleben in Esfahan
Familienleben in Esfahan
1 Monat Iran-Zahnschmerzen

Vereinigte Arabische Emirate

Die Vereinigten Arabischen Emirate überraschten mit wenigen klobigen aber durchaus interessanten Betonburgen in viel Sand. Das höchste Gebäude der Welt war gerade im endstehen. Ein Reporter vom VAE – Fernseher wollte unbedingt viele Fragen von uns beantwortet haben. Die wichtigste für ihn war: Was esst und trinkt ihr denn, um diese Strapazen durchzuhalten? Unsere Antwort war: Wir essen und trinken was es in den jeweiligen Ländern gibt. Dies konnte er absolut nicht verstehen. Wir denken, noch heute würde er liebend gerne in unsere Packtaschen rumwühlen, in der Annahme, dort sind, dort müssen garantiert tausender von Wunderpillen versteckt sein.
Uns zog es aber alsbald über die Wüstenstrecke Richtung Oman. Wir lieben die Wüsten. Kamele, kleine Oasen, putzige Moscheen, leben wie die Beduinen, Sand, Sand, Sand…. waren angesagt. Es waren sehr angenehme Tage und Nächte im ewigen Sand. Somit waren die nur 200 km bis zur Grenze für uns Wüstenschön.

Wir lieben die Wüsten
Wir lieben die Wüsten

 

und Wüstenschiffe auch
und Wüstenschiffe auch

 

Oman

Wir mussten zuerst nach Maskat radeln um die Visa für den Jemen zu besorgen. Dies war nicht so einfach, denn der Botschafter wollte uns keine Visa ausstellen. Erst als Gi ihn sprachlich auf Arabisch lange umgarnte, wurde er weich.
Der Radelweg nach Maskat war einfach nur herrlich, denn die vorgelagerten Gebirgszüge garantieren absolute Abwechslung. Heiße Quellen, verträumte Oasen, überaus nette Menschen, Gebirgszüge von über 3000 m Höhe und Wüsten soweit das Auge reicht, ließen die Tage wie im Radelflug vergehen.
Von Maskat aus starteten wir Richtung Salalah. Über 1000 km ging es durch die Wüste Rub al Khali (Leeres Viertel). Absolut wichtig war dabei immer Trinkwasser zu bunkern. Teilweise wogen unsere Last-Radel dann bis über 80 kg. 80 km vor Salalah ist mir die Hinterradfelge eingerissen. Die geschweißte Felge bin ich dann noch 3 Jahre über 30.000 km geradelt (die wurde erst auf der Rückreise in Ägypten ausgewechselt). Noch heute könnte ich den pakistanischen Felgenschweißer (es war seine erste Felge) küssen.
Die Radelzeit in der Rub al Khali selbst werden wir nie vergessen. Die Höchsttemperatur war 47 Grad. Wir haben uns trotzdem immer wohl gefühlt. Wahrscheinlich muss man hierfür Wüsten absolut lieben und natürlich auch kopfmäßig gut vorbereitet sein.
Von Salalah aus ging es über die Mondberge zur jemenitischen Grenze. Im letzten omanischen Dorf wurde uns immer wieder erklärt, radelt ja nicht in den Jemen, dort sind alles Verbrecher, wenn ihr Glück habt, rauben die euch nur aus. 

Ruhezeit in Salalah
Ruhezeit in Salalah
Geht nicht in den Jemen
Geht nicht in den Jemen

Jemen

Nur mit viel Überzeugungskunst (Frauen schaffen halt fast alles) unsererseits hatte uns der jemenitische Botschafter in Maskat letztendlich die Visa für den Jemen ausgestellt. Wir mussten uns aber an bestimmte Abreden halten (Radeln war 2007 im Jemen nicht mehr möglich). Wir mussten an einem bestimmten Tag am Grenzübergang in den Mondbergen sein.
Ein Freund holte uns fast an der Grenze mit dem Auto ab (die Abholung war auch Absprache mit dem Botschafter). Zum Glück kam der Freund wie erwartet aber später. So konnten wir zumindest die ersten 70 km entlang der Piratenküste im Jemen radeln. Unvergessen sind dabei die unzähligen Meeresschildkröten und unsere erste Übernachtung in einem Fischerdorf. Unser Nachtlager war auf dem Flachdach der Dorfschule.
Für 3 Monate lebten wir dann in Sanaa. Dort gibt es wohl die schönste Altstadt der Welt. Wir tauchten ein in dieses faszinierende Land, erlebten dabei Hochzeiten, Landschaften, Gastfreundschaft, Beerdigungen und unzähliges mehr.
Trotz vielfältiger Bemühungen bekamen wir keine Schiffsüberfahrt nach Indien. Der Abschied vom Jemen viel uns schwer, zählt er doch schon viele Jahre zu unseren Lieblingsländern.

Ausblick bei Sanaa
Ausblick bei Sanaa

Indien

Indien wurde unser erstes Kulturschockland. Über Monate und tausende von Kilometern sogen wir all die Schockerlebnisse und Schockleckerbissen ein. Letztendlich entwickelte sich Indien für uns zur Hassliebe. Jederzeit würden wir Indien wieder bereisen, allerdings müsste dies nicht mehr unbedingt mit den Fahrrädern sein, denn der Straßenverkehr kann mörderisch sein. Nur in Südindien kehrte etwas Ruhe ein. Richtung Nepal begann die ewige Huperei und der quälende Kriegsstraßenverkehr erneut. Indien kann echt verrückt sein! Indien kann aber auch schön sein! Unvergesslich ist die Vielfältigkeit in diesem Land, leider auch die unvorstellbare Armut. Manches zermürbt die Sinne. Manches gibt Rätsel auf. Martin hatte uns gewarnt. Seinen Rat, betrachtet die Inder als große Kinder, konnten wir irgendwann beherzigen. Von da an lief vieles kopfmäßig einfacher.

indischer Lasttransporter
indischer Lasttransporter
Taj Mahal am Abend
Taj Mahal am Abend

Heute führt uns die Radeltour weiter in den Nepal und nach Kambodscha – schon über ein Jahr waren wir da schon unterwegs. Kilometerstand ca. 15.000 km.

Nepal

Nepal war für uns eine Überraschung, denn nach Indien tat uns die Ruhe gut. Was uns neben der grandiosen Bergwelt im Anapurnagebiet auch absolut faszinierte, war das Tiefland mit seinem Dschungel. Elefanten, Rinos und Krokos hatten wir im Nepal eigentlich nicht erwartet.

Da staunt Gi aber
Da staunt Gi aber

In den Bergen im Anapurnagebiet unternahmen wir eine Wanderung in Eigenregie. Erst auf über 3000 m wurde uns aber bewusst, weiter können wir nicht rauf. Unsere Ausrüstung war leider halt radelmäßig ausgelegt. Mit Badelatschen in den Nepalbergen war ja auch irgendwie skurril.

In den Bergen der Anapurnaregion
In den Bergen der Anapurnaregion

Im Nepal gibt es auch ein großes Völkergemisch. Stunden schaute ich mir die so unterschiedlichsten Gesichter an. Viele Geschichten verbergen sich da. Ganze Bücher würden sich ohne Langweiligkeit füllen lassen.

Sadus sind immer gut drauf.
Sadus sind immer gut drauf.

Sie könnte wohl viele Bücher schreiben.

 

Während unserer zweimonatigen Radelkilometer im Nepal waren gerade Wahlen. Die Maoisten hatten die Wahl gewonnen. Auch wenn Ausschreitungen befürchtet wurden, alles verlief sehr ruhig. Interessant für uns, die langen Schlangen vor den oftmals provisorischen Wahllokalen. Wohl weit über 90 Prozent nehmen da noch ihr Wahlrecht an. In Deutschland wird es so um die 60 Prozent sein.

Maoistenfreund
Maoistenfreund

 Von der Hauptstadt aus wollten wir weiter in den Tibet. Leider war die Grenze in den Tibet für uns nicht machbar. Vor der Olympiade 2008 in China gab es wegen dem Aufstand im Tibet, im Vorfeld der Olympiade, keine Einreise über Land. Trotzdem sind wir bis an die tibetische Grenze geradelt. Dort stand der Wind günstig. So konnten wir wenigstens etwas Tibetluft schnuppern. Auf dem Rückweg sahen wir in weiter Ferne den Schneegipfel vom Mount Everest. Ein irgendwie erhabenes Gefühl.

Thailand / Kambodscha

Von Bangkok radelten wir recht zügig zur Grenze von Kambodscha, denn die Regenzeit lag vor uns. In Kambodscha, ca. 100 km vor Siam Rep erwischte uns der fast Dauerregen. Wir mussten lernen, dass dann wirklich nichts mehr radelmäßig geht. Um nach Siam Rep mit seinen so berühmten Tempel zu kommen, mussten wir ein Auto für unsere Schlammradel bemühen.

Es ging wirklich nichts mehr
Es ging wirklich nichts mehr

In Siam Rep überlegten wir, wie wir wieder nach Thailand zurückkommen, denn Monate im Regen wollten wir uns nicht antun.
Mit einem Boot ging es über einen See. Das Seegebiet war absolut interessant, denn dort gibt es noch Seenomaden. Der Junge mit der Schlange faszinierte mich. Ich hatte als Kind einen Hamster. Hatte mir die Oma geschenkt.

Jeder bekommt etwas anderes geschenkt
Jeder bekommt etwas anderes geschenkt

 In Batambang besichtigen wir die Mörderhöhle. Über 10.000 Kambodschaner wurde dort von den Roten Khmer umgebracht. Langsam beginnt man in Kambodscha die unglaubliche Pol Pot-Zeit aufzuarbeiten.

Trauriges Kambodscha - Eingang zur Mörderhöhle
Trauriges Kambodscha – Eingang zur Mörderhöhle

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Malaysia

Malaysia war ein weiteres Überraschungsland. Wir hatten nicht erwartet, dass Alt und Neu fast harmonisch im Einklang nebeneinander funktioniert. Obwohl Malaysia muslimisch geprägt ist, erlebten wir die Fahrradlandesmeisterschaften in ungeahnter Vielfalt, denn die recht vielen Frauenteams gaben den Meisterschaften so richteigen Pepp. Ob Dschungel, Preis-Leistungsverhältnis, immer warmes Meer, nette Menschen, alles haben wir unheimlich genossen bis zu unserer Überfahrt nach Sumatra.

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Indonesien / Sumatra

Auf Sumatra haben wir den Äquator überradelt. Hört sich gut an, der Äquator war aber irgendwie doch langweilig. Sumatra selbst besticht durch sein vieles Grün, seine Blumenpracht und den unterschiedlichen Religionen. Noch immer ein Geheimtipp ist der Toba See. Die Samosirinsel mit ihren Batakhäusern war für uns ein Naturradelvergnügen.

Gerne wären wir länger geblieben, doch Visamäßig gab`s leider eine 4 Wochenbegrenzung.

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Singapur

Singapur war für uns ein Mikrokosmos aus Reichtum, Beton, Verboten und auch unerwarteten Spaß. Tausend Singapurdollars (ca. 500 €) Strafe für Radler sind leicht einzuradeln. 

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Australien

Martin (unser Sohn) hatte uns gewarnt, Australien zur Sommerzeit, von Nord nach Süd zu beradeln. Die Alten können ja aber nicht hören, also haben wir es zumindest versucht. Von Darwin aus wollten wir bis Sydney pedalen (so um die 6.000 km). Kurz vor Alice Spring kam die Rache. Den Stuart Highway darf man einfach nicht unterschätzen. Gi hatte ein absolutes Tief (ist irgendwie noch untertrieben). Es ging nichts mehr.

Wir machten das einzig vernünftige, mieteten in Alis Spring ein Auto bis Melbourne. Mit neuen Kräften war die Strecke von Melbourne bis Sydney über 1500 km wieder ein Radelvergnügen.

Wir waren schon öfters in Wüsten unterwegs. Den Stuart Highway haben wir aber einfach unterschätzt. Der zieht sich wirklich unendlich lang. Fehler können da echt die letzten Fehler sein.

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Neuseeland / Halbzeit nach 23 Monaten und ca. 24.000 km

Mit dem Schiff schipperten wir in Auckland ein. Nach 23 Monaten, ca. 24.000 Radel-km, vielen Erlebnissen und Abenteuern, konnten wir unseren Sohn endlich nach vielen Jahren an die Brust drücken und unendlich lange küssen. Wir waren einfach nur Elternstolz. Wir hatten unser Versprechen gehalten.

2 Monate blieben wir in Neuseeland. Beim Abschied wollte uns Martin und seine Freundin unbedingt noch etwas sagen.

In wenigen Monaten werdet ihr Radel-Oma und Radel-Opa sein.

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Chile

In Santiago de Chile, auf ca. 800 Höhenmetern, kann man schon mal die herrlichen Anden in der Ferne bestaunen. Es war Ende März und somit höchste Zeit um die Andenüberquerung anzuradeln. Auf über 3500 m waren die Nächte bitterkalt und die Luft sehr dünn. Wir haben da ordentlich im Zelt gefroren. Natürlich war bei den vielen Serpentinen tagelang schieben angesagt. Bei einem Radelgewicht von weit über 50 kg nicht immer lustig. Die Höhe machte besonders Gi zu schaffen (hatte oft Kopfschmerzen). Es gibt da Tage, wo man sich fragt, warum tue ich mir das eigentlich an? Doch die Andenlandschaften machten vieles erträglich. Gi habe ich immer erklärt, wo es rauf geht, geht es auch immer irgendwann runter.

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Argentinien

So war es dann auch. Es ging wirklich runter. Richtung Mendoza flitzten wir regelrecht bergab. Die Pampa zog sich dann wochenlang Richtung Norden unter unseren Reifen surrend dahin. Hatte zumindest den Vorteil, wir konnten schon am Morgen sehen, wer uns am Abend entgegen kommen wird. Für nur kurze Ausflüge pedalten wir immer wieder in die gigantische Bergwelt. Von Salta aus radelte ich alleine in die Berge. Entlang einer alten Bahnlinie radelte ich auf über 4600 m Höhe. Ich wollte austesten ob die Höhe auch eventuell für Gi machbar ist. Sie hatte oft schon auf über 2500 m Höhenluftprobleme und somit Kopfschmerzen im Dauertakt. Auf über 4000 m wurde mir klar, Bolivien und Peru könnten für Gi ein echtes Höhenproblem werden. Wenn man gemeinsam unterwegs ist, ist es ideal sich positiv zu ergänzen, man nimmt aber auch gegenseitig Rücksicht. Somit war mir schnell klar, wir lassen die Räder in Salta und erkunden Bolivien und Peru per Bus. Gi war darüber nicht böse.

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Bolivien

Es wurde uns in Bolivien sehr schnell bewusst, dass die Entscheidung, den Rädern eine Pause zu gönnen, für uns eine richtige Entscheidung war, denn meist führte uns unser Weg über 3 bis 4 tausend Höhenmeter. Unvergesslich sind dabei die gigantischen Andenlandschaften, der Großstadtkessel La Paz, der Titicacasee (auf ca. 3300 m Höhe)und der größte Salzsee der Welt (Salar de Uyuni). Auch war das Busfahren mal eine abenteuerliche Geschichte, denn die Busse waren sicherheitsmäßig nicht unbedingt auf neustem Stand.

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Peru

Wochenlang waren wir dann in der peruanischen Bergwelt unterwegs.  Wir wollten unbedingt dem Kondor nahe sein. Nach vielen Wanderungen hatten wir es schon fast aufgegeben, den König der Lüfte zu erspähen. Sozusagen zum Peru-Abschied segelte doch noch einer greifbar nahe an uns vorbei. Es war ein unbeschreiblich großartiges Gefühl. Die Flügelspannweite betrug um die 3 Meter.

Über Bolivien zurück ging es zu unseren Fahrrädern nach Salta. Die Räder und auch wir waren echt glücklich auf unserer Wiedersehen.

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Paraguay

Über die argentinische Pampastraße Nummer 16 radelten wir zur Grenze nach Paraguay. Begleitet hat uns dabei über lange Strecken auch der Rio Parana. Richtung Länderdreieck Argentinien, Brasilien, Paraguay pedalten wir durch viele deutsche Gemeinden. Wir fanden da jeweils für einige Kilometer eine andere Welt vor. Neben spanischen gibt es da auch deutsche Schriftzüge. Es war angenehm den Auswanderungsgeschichten zu lauschen.

Alle Landsleute sagten uns, wir sollen unbedingt zu den schönsten Wasserfällen der Welt. Wir gehorchten natürlich. Und waren absolut positiv überrascht. Die Iguazu-Wasserfälle sind ein Augentraum.

Die Frau des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt soll beim Anblick der Iguazu-Fälle gesagt haben: Poor Niagara! Wir können ihr nur Recht geben, denn die größten Fälle der Erde sind wohl auch tatsächlich die schönsten.

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 Brasilien

Vom Augentraum pedalen wir über viele Bergrücken zum brasilianischen Atlantik. Immer die Küste entlang, erreichen wir nach vielen angenehmen Radelwochen Belem. Natürlich machen wir vorher in Rio, in Salvador und weiteren Küstenstädten längere Radelpausen. Wir versuchen die Widersprüchlichkeiten von Brasilien zu begreifen. Leicht ist dies nicht, denn die Widersprüche von Arm und Reich klaffen noch heute wie tiefe Schluchten in unseren Köpfen.

Am wohlsten fühlen wir uns immer beim Strandradeln. Sehr oft genießen wir diese Möglichkeit über viele, viele Kilometer.

Das Amazonsgebiet sprengt all unsere Erwartungen. Mit einem Seelenverkäufer schippern wir 7 Tage über 3500 Flusskilometern bis Manaus. Dort bestaunen wir die „Dschungeloper„ und tauchen ein ins ewige Grün der Dschungellandschaften, der Nebenflüsse und geheimnisvollen Tierwelt.

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Panama

Viele Tage flitzen wir auf der berühmt-berüchtigten Panamericana immer Richtung Norden entlang. Doch keine Bewaffneten und auch kein Berg versperren uns den Weg. Dabei gibt es immer wieder längere Pausen am Pazifik. Jeden, aber auch wirklich jeden Nachmittag fängt es zu regnen an.  Der Regen macht uns aber Freude, denn er ist warm und reinigt uns und unsere Radel. 

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 Costa Rica

Costa Rica wird für uns ein Naturleckerbissen, ein Radelleckerbissen. Es wird eines unserer Lieblingsländer. Wir sind fasziniert von all den Tieren, den Landschaften und Naturgewalten. Ob Papageien, Regenbogentukane oder Krokos, jeden Tag gibt es neues zu bestaunen. Der Vulkan Arenal bezaubert uns. An seinen Flanken gibt es viele heiße Quellen. Die heißen Überraschungen sind pure Freude für unsere müden Muskeln. Am liebsten würden wir solch eine heiße Quelle in einer unserer Packtaschen mitnehmen.

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Kuba

Überrascht sind wir über die vielen Radelgruppen aus Europa. Auf Kuba radeln wir selbst einen Monat. So lernen wir intensiv den real existierenden Sozialismus mit all seinen Fassetten kennen. Es ist für uns ein Zurück in die eigene Vergangenheit. Die Kubaner sind meist nette Zeitgenossen. Sie helfen uns über einige Klippen, erzählen von ihren Wünschen und Sehnsüchten. Begeistert sind wir auch von den Landschaften und den unbeschreiblichen Meeresfarben. Noch nie haben wir so viele Blautönungen von Meereswasser erlebt.

Im Flieger nach Kairo frage ich Gi: ,,War Kuba nun ein Karibiktraum?„

,, Eine tropische Insel, auf der es für die eigenen Bewohner kein Obst gibt, ist ein Alptraum. Für einen Pauschaltouristen, der die wenigen Früchte im Hotel vorgesetzt bekommt, das herrlich blaue Meer genießen kann und von Brotmarken und Milchrationen nichts erfährt, für den kann Kuba ein Karibiktraum sein.„

Für uns war es letztendlich eine überaus interessante und lohnenswerte Radel-Mischung.

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Ägypten

Wir sind ja Wüstenliebhaber, deshalb wählten wir für Richtung Süden die Wüstenstrecke von Kairo nach Luxor. Für die ca. 1500 km lassen wir uns 3 Wochen Zeit. Jeder Tag war irgendwie anders spannend. Am faszinierendsten fanden wir die Weiße Wüste. Die bizarren Gebilde aus Kalkstein brennen sich ins Gehirn. Eigentlich gab es nur ein kleines Problem auf dieser Strecke. Es war Januar. Und da ist es nachts, besonders gegen früh, so richtig kalt in der Wüste (nahe am Gefrierpunkt). Doch auch dafür fanden wir, eigentlich Gi, eine Lösung. Gi erfindet nämlich die Zeltbodenheizung.

Auf unsere täglichen abgebrannten Abendlagerfeuer schaufeln wir Sand. Darauf wird die Schutzplane gelegt und anschließend das Zelt gestellt. Mir war die Sache absolut zu riskant (bin ja ein Mann). Doch Frauen lassen ja nicht locker. Heute muss ich gestehen, zum Glück, denn die Bodenheizung funktionierte nach kleineren Anfangsproblemchen geradezu genial. Noch am Morgen war unser Zeltboden warm. Gi wollte von nun an nicht mehr auf ihre Zeltbodenheizung verzichten.

Von Luxor schipperten wir auf dem Nil nach Assuan. Von dort war wiederum Verschiffung angesagt. 24 Stunden dauerte die Überfahrt auf dem Nassersee zur Sudangrenze.

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Sudan

Es war unsere erste Tour durch den Sudan. Zum Glück war die Wüstenstraße nach Khartum (ca. 1500 km) eine erst wenige Wochen vorher fertig gestellte Teerstraße. Aus älteren Reiseberichten hatte ich weit schlimmeres befürchtet. Auch in diesen Wüsten war das Trinkwasser bis zur Hauptstadt eines der Hauptprobleme. Es gab zwar an der Strecke immer wieder Tonkrüge mit Wasser, sozusagen Tonkrug-Raststätten, doch waren wir uns nie sicher, ob es auch wirklich trinkbar war? Wir wollten unbedingt vermeiden die Würmchenkrankeit (Bilharziose) unser eigen zu nennen. Entkeimungsmittel hatten wir nicht dabei. Irgendwie hat aber unser Gefühl, manchmal auch langes abkochen, gereicht, denn nun schon 2 Jahre wieder in der Heimat, hat sich nie ein Würmchen bei uns angemeldet.

Der Sudan selbst war eine große Bereicherung unserer Tour. Von den kleinen Brüdern, den großen Pyramiden in Kairo, den Meroe – Pyramiden und den Königsgräbern bei al-Kurra, waren wir begeistert. Zudem waren die Sudaner überaus Gastfreundlich. Der Abschied von diesem Wüstenland im Grenzort Gallabat ist uns sehr schwer gefallen.

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Äthiopien

Genau wie Indien wurde Äthiopien für uns zu einer Hassliebe. You, you! Give me money, war fast täglich unsere Radel-Begleitmusik. Auch flogen ab und an Steine aus Kinderhänden.

Im ostafrikanischen Grabenbruch hatten wir aber auch viele Momente von Afrika pur. Einfach nur schöne Gefühle. An der Grenze bei Omorate führte für uns leider kein Weg über die Grenze. Omorate werden wir nie vergessen, denn der verweigerte Grenzübertritt (Grenzer Kenia), bedeutete für uns um die 600 km Umweg, davon gut 300 km Pisten, bis zum nächsten Grenzübergang.

2 Monate pedalten wir durch dieses widersprüchliche Land. Trotz mancher Probleme während unserer Radeltour können wir von Äthiopien nicht loslassen. Schon wegen des vorzüglichen Kaffees lohnt sich eine Tour durch Äthiopien.

Erst vor wenigen Monaten waren wir wieder dort.

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Kenia

Nach dem langen Radelumweg, bekamen wir am Grenzübergang Moyale die Visa problemlos. In den nächsten 2 Wochen pedalen wir am Mount Kenia vorbei, überqueren den Äquator und in Nairobi bereiten wir uns auf die Strecke zum Indischen Ozean vor.

Beim durchradeln von 2 Nationalparks erleben wir wieder Afrika pur. Wir sind gut gelaunt als wir unser Strandparadies in Tiwi am Indischen Ozean finden.

Als wir weiter Richtung Tansania pedalen erleben wir den Alptraum aller Reisenden. An einer Dschungelpiste werden wir von 4 Männern mit Macheten überfallen. Letztendlich haben wir aber unendlich viel Glück im Unglück. Mit nur 3 Packtaschen flüchten die Verbrecher im Dschungel. Das positive? Wir leben noch, sind gar unverletzt. Das negative? Wir müssen das erlebte irgendwie verarbeiten. Ich würde Ostafrika am liebsten sofort verlassen. Gi hat aber eine andere Eingebung. Warum geben wir uns und Ostafrika keine zweite Change? Gi hat Recht, wir pedalen weiter Richtung Süden.

Was uns allerdings gleich am ersten Radeltag nach dem Überfall bewusst wird und uns auch noch lange begleiten wird: Wir radeln nicht mehr so unbekümmert durch die Landschaft. Die Ereignisse sitzen zu tief.

Zur eigenen kopfmäßigen Sicherheit kaufe ich mir eine Machete und besorge mir einen langen Eisendraht. 

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Tansania

In Tansania geht es uns kopfmäßig wieder besser. Die Strecke Richtung Kilimandscharo lässt sich gut radeln. Wir fühlen uns wieder mal sozusagen „Jenseits von Afrika„, genießen die Landschaften, die wilden Tiere und unsere wiedererlangte Ausgeglichenheit.

Leider holt uns die manchmal auch harte Radler-Wirklichkeit wieder ein. Wir treffen 2 Radler(ein Russe und einen Polen). Beide wurden auch überfallen. In Arusha (Touristenzentrum am Kili) erzählt uns eine Engländerin von ihrem eigenen erlebten, sehr üblen Überfall.

Tage später, durch eine innere Eingebung von mir, entgehen wir glücklicherweise selbst dem nächsten Überfall. Wieder hatten wir viel Glück. Wir wollen unser Glück aber nicht überstrapazieren.

Fast 10.000 km liegen in Afrika hinter uns. Wir wollen keine Radelhelden werden. So steht dann recht schnell fest, wir radeln zurück nach Nairobi um Ostafrika zu verlassen. Eine unverdorbene Zeit ist für uns absolut wichtiger. Wir wollen unsere noch verfügbare Radel- Zeit in Ländern verbringen, in denen wir uns einfach auch gefühlsmäßig sicherer fühlen.

Jederzeit würden wir Kenia und auch Tansania wieder bereisen. Ob es allerdings nochmals mit den Fahrrädern sein würde, ist für uns bis heute eine offene Frage. Afrika kann sehr schön sein! Afrika kann sehr hart sein!

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Jemen / Sokotra

Über dem Jemen treffen wir auf Sokotra ein. Wir kennen einige Inseln dieser Welt, doch Sokotra wird unsere absolute Lieblingsinsel. Die Insel ist nur um die 150 km lang und 50 km breit. Deshalb beschließen wir, die Insel zu bewandern. Die Radel haben Pause. Die Rucksäcke werden geschultert.

Wir sind begeistert von der Inselschönheit, der Inselruhe, dem Inselfrieden,  denn grandiose Strände soweit das Auge reicht, Berge in Nebeln, Drachenblutbäume, Palmen im Wind und unglaublich nette Menschen versüßen uns die Zeit.

Auch hier sind die Menschen arm, doch wir fragen uns oft, warum hier alles so irgendwie anders gut für uns ist? Nur um die 100 km Luftlinie ist das rustikale Ostafrika von uns entfernt. Wir brauchen einige Zeit für eine Antwort, doch dann begreifen wir den Unterschied. Hier gibt es nicht den aggressiven Gegenspieler von Armut, nämlich den Reichtum. Unsere Herzen freuen sich über die Menschen. Sokotra ist eine Erholungskur für unsere Seele.

Die glückliche Inselzeit vergeht wie im Flug. Gestärkt in der Seele und an Körpergewicht verlassen wir unsere Lieblingsinsel Richtung Wüste.

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Oman

Diesmal pedalen wir die über 1000 km in entgegengesetzter Richtung durch das ,,Leere Viertel„. Der uns bereits bestens bekannte Wüstenabschnitt ist wegen unserer Vorkenntnisse geradezu ein Vergnügen, denn uns sind ideale Lagerplätze und auch die so wichtigen Versorgungsstellen noch in bester Erinnerung. So können wir beim zweiten Versuch vieles weit besser eintakten. Die Zeit ist angefüllt mit Wüstenschönheit, Wüstenstille, Wüstennächten, Wüstenromantik, auch Wüstenanstrengungen, verschwitzten Tagen,  Essen mit Feinsandeinlagen, manchmal auch mit durstigen Kehlen. An der Grenze zu die Emirates sind wir uns einig. Zum zweiten Mal haben wir es geschafft, doch wir sind nicht stolz, wir sind nur unendlich glücklich, es erlebt haben zu dürfen.

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Vereinigte Arabische Emirate

Al-Ain (die Quelle) ist eine der angenehmsten Städte im Sandland. Acht Monate im Jahr übersteigen die Landestemperaturen die 40-Grad Marke. Zum Glück ist Oktober. Wir genießen die 35 Grad auf der Autobahn von der Quelle bis Abu Dhabi. Sand gibt es dort nur am langen Strand. Beton, Glas, Aluminium und viel Marmor streiten im Verbund in Himmelsnähe. Tage später sind wir dann tatsächlich am Himmelstor in Dubai. Die unendlich erscheinende Höhe lässt den Burj Khalifia (Turm des Khalifen) aus der Ferne nicht wie ein bewohnbares Hochhaus erscheinen, doch überzeugt uns der 828 m hohe Turm mit seiner Eleganz, seinen Sinnestäuschungen und verspielten Schönheit. Die Nächte selbst, verbringen wir aber den Wüstenfüchsen gleich, in den von uns so geliebten Sandmeerbergen.

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Jordanien

Von Amman aus flitzen wir zum Toten Meer runter. Macht echt Spaß, denn es flitzt sich von ca. 2000 Höhenmetern auf fast 400 m unter null Radel-flott. Nach den Salzwasserspielereien ohne Untergangsgefahr quälen wir uns allerdings über viele Haarnadelkurven wieder rauf. Als Dankeschön   liegt der Königsweg auf 2000 m Höhe vor und unter uns. Er führt uns an der Felsenstadt Petra vorbei und verliert sich in den Weiten des Wadi Rum. Am Roten Meer bringt uns eine Fähre auf den Sinai.

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Ägypten – Sinai

In den Wadis vom Sinai nehmen wir Abschied von unseren geliebten Wüsten. Es ist Dezember 2010. Die Nächte in der Wüste sind wieder bitterkalt. Wir beleben zwangsweise unsere Zeltbodenheizung. Viel Holz ist dafür nötig. Unsere Radel sind deshalb zeitweise Holzradeltransporter.

Im überbevölkerten Nildelta und Alexandria erleben wir die Vorboten des Arabischen Frühlings. Erst in Alexandria kommt das Gefühl von erwünschter, geordneter Unordnung zurück. Wir merken sofort, die Stadt hat was, sie gefällt uns. Während der Alexandria-Weihnachtsfeiertage wohnen wir in einer kleinen von Kopten geführten Pension.

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Zypern

Wir beradeln auf gut 500 km beide Teile der Insel. Der türkische Inselteil gefällt uns besser, denn alles wirkt irgendwie ursprünglicher, einfacher, sympathischer auf uns. Die geteilte Hauptstadt erinnert uns nur bedingt an Berlin, denn die ehemals so gewaltige Berliner Mauer ist hier nur ein Mäuerchen, eine Grenze aus Hauswänden und Verbotsschildern an ungefährlich erscheinenden Zäunen. Bizarr, komisch und weltfremd mutet der Ruf zu Gott an, denn über die luftige Grenze hinweg vermischen sich die Gebetsrufe und das Glockengeläut zu einer allabendlichen Göttergemeinschaft. Mit einer Fähre schippern wir nach Mersin in der Osttürkei.

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 Türkei

Wir sind froh den nahen Europa noch ein zeitliches Schnäppchen zu schlagen. Über 1500 km pedalen wir bis Marmaris, dabei geht es immer entlang der türkischen Südküste. Egal, wie das Wetter auch ist, ob es nun regnet, die Sonne scheint oder gar Hagelkörner uns zu Pausen zwingen, die Gebirgskette des mächtigen Taurus ist uns eine treue Begleiterin. Egal wo wir ankommen, immer ist ein Teil des Gebirges schon da. Das verschlafene Tasucu, der Burgberg von Alanya, das Ausgrabungsfeld von Side, die Felsengräber von Myra  und auch die verspielte Ortschaft Kas sind für uns besonders hübsche Perlen einer superlangen Perlenkette.

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Griechenland

In Marmaris besteigen wir die Fähre zur griechischen Insel Rhodos. Von Insel-Radel-hüpfen haben wir schon öfters geträumt. Auf Kos erleben wir Starkwindtage. 8 bis 10 beträgt die Windstärke. Wir müssen uns gedulden, denn kein Schiff mag gegen die Wellen kämpfen.

Unsere Geduld wird auf Santorin belohnt. Der weiße Kranz der Inselhäuser, das schwarze, graue und rote Farbenspiel der Abbruchkanten und das ewig blau erscheinende Meer bilden eine Symbiose von unvorstellbarer Schönheit.

In Piräus holt uns Europa wieder ein. Griechenland steht vor dem Konkurs. Kein schöner Empfang für uns Heimkehrer. Auf der Fähre von Patras nach Venedig rückt die Heimat stückchenweise immer näher.

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Italien – Österreich – Deutschland

In Venedig geben wir in 3 Tagen das Geld aus, welches in manch anderen Ländern 1 Monat lang gereicht hat. Nach den Tagen der Venedig-Muse pedalen wir über die Alpen. Wir nächtigen wieder öfters im Zelt. Wir versuchen auch die letzten Tage unserer Tour rauszuschieben. Über Salzburg treffen wir in München ein. Unsere 3 Münchner Freundinnen überschütten uns mit viel gewohnter Herzlichkeit. Über Nürnberg, Bamberg pedalen wir Tage später nach genau 48.110 km in Sonneberg ein. Nach 4 Jahren schließen wir unsere Familie und Freunde in die Arme.

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Kurze Schlussgedanken 

3 Wochen später

Während unserer 4 jährigen Radeltour um die Welt hatte ich selbst nie einen Termin bei einem Arzt. Nach 3 Wochen in Deutschland holen mich jedoch Bauchschmerzen ein. Es ist aber keine Magenverstimmung. Ein Pole untersucht mich in der Notaufnahme. Ein Rumäne gibt mir die Narkose und ein deutscher Arzt schnippelt mir den Blinddarm raus. Das Leben ist irgendwie verrückt!

Noch immer sind wir nicht richtig in Deutschland angekommen, denn Deutschland hat sich verändert. Und auch wir haben uns verändert. Wir sind weit sensibler für die Probleme der Welt geworden. Wir sind aber auch sensibler für die Schönheiten der Welt geworden.

 Monate später

Gis geliebtes Welt-Radel wird in Sonneberg geklaut.  Es ist bis zum heutigen Tag spurlos verschwunden.

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