Erlebnisse in Kroatien

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Wertung: 5.0/5 (10 Stimmen )

Meine Frau und ich waren im Juni in Kroatien mit unseren Fahrrädern unterwegs. Wir hatten ursprünglich geplant, die Inseln Krk, Cres, Losinj, Pag und Rab zu besuchen. Alles kam anders. Aber lest selbst:

Wir starteten an einem Samstag und fuhren mit dem Pkw, vollgeladen mit Fahrradanhänger und um die 50 kg Gewicht, verteilt auf 8 Taschen/Rollen (inklusive Anhänger).
Wir kamen am ersten Tag bis Österreich und nächtigten in einer kleinen netten Pension. Am Sonntag ging es dann weiter nach Krk in den Ort Omasalij. Dort konnte ich das Haus von Tomislav finden und meinen Pkw unterstellen.

Soweit lief alles glatt. Ich nehme es mal vorweg: Das wars dann auch mit dem Glattlaufen.
Wir bepackten die Räder. Bei mir zwei Taschen vorne, eine mit viel Werkzeug, die andere mit Regenklamotten und Fahrradkleinkram. Die beiden großen Ortlieb hinten mit Handyzubehör wie Ladegeräte, Steckerleiste, diverser anderer Ladegeräte und Klamotten. Dazu noch mein Reisestativ. Im Anhänger fanden 2 Isomatten, 2 Kopfkissen (aufblasbar), ein Metallhammer, eine Wäscheleine, Wäscheklammern, 2 Schlafsäcke und mein Zelt Platz.
Ziemlich schwere Fuhre, wie ich noch merken sollte.

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Feine Sonne, wenig Wind, soweit alles paletti. Wir fuhren dann auch los und ich musste mich erst an die Fuhre gewöhnen. Aber nach einigen Kilometern ging es dann gut voran. Navi und Streckenführung vorhanden.

Denkste, es kam anders, als das Navi zeigte.

Wir fuhren also in den ersten Ort und fanden die Navispur direkt am Wasser. Als die Navispur nach links in Richtung Inland zeigte und wir auf einer tollen Promenade fuhren, überlegten wir uns doch die Weiterfahrt auf dieser tollen Promenade. Und genau das war unser Verhängnis. Viele Kilometer fuhren wir bei um die 30 Grad an der Promenade weiter. Doch dann….die Promenade war einfach zu Ende. Aua und nu? Umdrehen? Niemals, dafür waren wir schon zu lange unterwegs. Die Navispur war auch ziemlich weit entfernt.
Doch wir sahen am Ende der Promenade einen kleinen ca 2 m breiten Trampelpfad.

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Durch da, das geht. Dachten wir. Gut, reingefahren und nach ca 20 m abgestiegen. Kleine und größere Felsbrocken lagen im Weg. Da schieben wir durch, kein Thema. Also los und schieben. Der Anhänger kratzte hart an den Steinen, aber Umdrehen geht garnicht.Tomislav05

So schoben wir…ich weiß nicht wie lange….vor uns hin. Geschätzt 2 Stunden. Es wurde immer härter und der Weg wurde immer schmaler. Aber jetzt mussten wir da durch. Es wurde zunehmend anstrengender, Silke machte aber gut mit, hatte sie doch 2 Drittel weniger Balast an Bord.
Plötzlich ging ein Weg nach links ab. Ich schaute entlang des Weges und sah einen üblen Anstieg. Natürlich auch schieben….was sonst.

Kommt nicht in Frage, wir schieben weiter geradeaus. Und auch das war ein Fehler. Die Steine im Weg wurde größer, so dass man nicht mehr drüberschieben konnte, sondern das Rad teilweise anheben musste. So quälten wir uns immer weiter. Links im Navi erschien dann die Naviroute und auch gleichzeitig ein Weg, der nach links führte. Weg kann man das nicht nennen, es war ein Hindernissparcour. Dann ging auch das Schieben nicht mehr. Silke musste mitschieben, sonst wäre ich nicht weitergekommen.

Die Hitze war gnadenlos, der Schweiss lief in Strömen. Zusammen schafften wir es einige Meter. Dann der Schock. Eine fast 2 m hohe Senkrechte musste geschafft werden. Anhänger abkoppeln? Niemals, weiter. Ich schob und zerrte am Rad, Silke schob ebenfalls am Anhänger. Wir schafften es. Ein schöner Schotterweg empfing uns. Ich musste mich mit den Händen auf den Knien abstützen. Ich dachte, mein Herz und die Lunge zerreisst es. Nach einigen Minuten, Silke war wieder zu ihrem Rad gegangen, konnte ich wieder reden und ihr folgen. Ihr Rad brachten wir schneller hoch.

Oben konnte wir nach einer Erholungspause weiterfahren. Der ca.  4m breite Schotterweg wurde aber auch schmaler und schmaler, bis er um die knapp 2 m Breite hatte. Einige Stunden später traf mich der Schlag.

Rechts Bäume und Büsche, links das gleiche Bild und vor mir?

Ein aufgeschütteter Sperrhügel. Unbezwingbar. Schock, ich wollte nicht mehr, war am Ende.

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Doch kurz vor dem Sperrhügel ging ein Trampelpfad um diesen herum. Ich bräuchte eine Machete, um mir den Weg freizuschlagen, aber schiebenderweise schaffte ich es. Trotz Steinbrocken im Weg.
Danach konnten wir wieder weiterfahren.

Wir kamen an eine Straße und die Navispur war so weit weg, dass wir dieser nicht mehr folgen konnten. Wäre ich bloß meinem Navi gefolgt. Wozu hat man so ein Teil?

Wir waren völlig desorientiert, als 2 alte Frauen nach dem Weg zu einem Campingplatz gefragt werden konnten. Sie erklärten uns den Weg.

Nachdem uns die beiden Damen den Weg groß erklärt hatten, setzten wir die Fahrt fort. Nach einigem Suchen fanden wir den Platz. Platz kann man eigentlich nicht sagen. Es gab dort nichts, rein garnichts, ausser eine Rezeption. Aber wozu eine Rezeption? Der Platz hatte gerade Platz für 5-6 Wohnmobile, die sternförmig aufgestellt werden können.
Der Besitzer wurde erschöpft gefragt, ob man das Zelt irgendwo aufstellen könne, was er bejahte. Er zeigte uns eine kleine Rasenfläche. Dort konnten wir sogar unser Stromkabel verlegen, um die Akkus zu laden. Prima. Wir hatten für das Frühstück alles mit und bauten schnell das Zelt auf.

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Am nächsten Tag ging es dann recht früh weiter in Richtung Fährhafen von Krk, um von dort nach Cres überzusetzen. Knapp über 20 Euronen waren dafür für 2 Personen und Rädern fällig.

Die Überfahrt gestaltete sich eher ruhig. Aber schon aus der Ferne sahen wir das Übel auf uns zukommen. Bloß nicht da rauf!!!, war mein Gedanke, sah doch die Straße verdammt hart aus.

Es bestätigte sich und wir wollten diese asphaltierte Steigung in Angriff nehmen.
Noch schnell die blankliegenden Körperteile eingeschmiert und alle Fahrzeug an uns vorbeigelassen. Wollten wir doch in Ruhe hochfahren. Hochfahren?

Ich sah nur ein Schild mit einer 10 drauf. Steigung in Prozent. Silke fuhr schon vor und ich kam dann langsam nach. 5 km/h standen auf dem Tacho. Ob das gutgehen wird?
Nach einigen 100 m sah ich das nächste Schild. Es stand eine 7 drauf. Auch Steigung, was sonst?

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Ich war schon langsam fertig, die Sonne tat ihr Übriges. 32 Grad zeigte mein Thermometer. Sonne satt, was will man mehr?

Der Puls raste, aber auch die 7 Prozent wurden geschafft. Das war’s dann aber auch.

Absteigen und schieben. Ab jetzt galt nur diese Regel. Wir schoben und schoben, 1 oder 2 Stunden. Keine Ahnung, man verliert den Sinn für die Zeit. Nach einigen folgenden 9 Prozent ging es doch tatsächlich bergab….und wie. Richtig Fahrt konnte aufgenommen werden. Der Fahrtwind kühlte meinen Körper ab. Hurra, wir sind drüber und es geht zum Campingplatz.

ABER: Scheiße, es kam wieder das 9er Schild mit der Steigungsankündigung. Schnell noch den Schwung ausnutzen, denn ich hatte schließlich knapp über 40 drauf.

Schlagartig wurde meine Fuhre langsamer und Absteigen war wieder angesagt, schieben, schieben.

Nach vielleicht einer weiteren Stunde war die letzte Kraftreserve aufgebraucht und wir brauchten eine Pause. Ich wollte mich nur noch hinlegen. Mittlerweile kam die 2te Fähre an….wir merkten es am erneut einsetzenden Fahrzeugverkehr. 1,5 Stunden hin, 1,5 Stunden zurück brauchte die Fähre, plus Be- und Entladen. Aua, waren wir schon 4 Stunden unterwegs?

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Für 12 km?

Ich holte die Klapphocker aus dem Anhänger und wir mussten einige Riegel einwerfen, um neue Kraft zu tanken.
Nach einer halben Stunde Pause, alle Fahrzeuge waren vorbeigefahren, schoben wir weiter. Ich versuchte immer wieder, im kleinsten Gang kurze Stücke zu fahren. Ich weiß nicht, was schwerer war….schieben oder fahren.
Nach ca 5 Stunden hatten wir die Bergkuppe erreicht und es ging nur noch bergab bis zum Campingplatz.

An meine Arme will ich nicht denken. Durch die Sonne war sie dunkelrot und schlug bereits Blasen. Nich nur an einer Stelle…nein, der ganze Arm war eine Blasenlandschaft.

Der Campingplatz war eine Wucht, alles pickobello. Klagen konnten wir nicht. Wir leckten nur unsere Wunden wie ein verwundeter Straßenköter.

Heiß war mir, schlecht war mir, erschöpft war ich. Ich wollte einfach nicht mehr.

Auf dem Campinplatz in Cres wollten wir uns eigentlich erholen. Meine Silke erwischte gleich ein richtiger „Schnotz und Rotz“ Zustand. Offensichtlich von zuhause mitgebracht. Bei mir glühten die Arme. Wir sahen uns diesen Zustand 2 Tage an und entschlossen uns, die Radtour abzubrechen. Mit ihrem Schnotz und meinen verbrannten Armen nicht möglich.
Wir informierten uns bei der Tourist Info nach einer Busverbindung von Cres mit der Fähre und dann bis zu unserem Auto nach Krk. Diese startete dann am nächsten Tag um 06.00 Uhr. Wir waren pünktlich und konnten unseren Wagen ohne große Mühe holen.
Da wir wieder auf Krk waren und diese Insel eigentlich gegen Ende der Rundtour erkunden wollten, nutzten wir jetzt die Gelegenheit, dieses mit dem Wagen zu machen und erst spät Abends wieder nach Cres überzusetzen.Mit dem Wagen dann wieder zurück nach Cres zum Campingplatz. Von dort erkundeten wir die Gegend und letztlich die gesamte Insel. Ca. 1 Woche blieben wir dort.Von dort packten wir alles zusammen und fuhren wieder nach Krk, weil von dort die Fähre nach Rab abfuhr. Wir fuhren dann mit der Fähre in den Hafen von Krk ein und vor unserer Nase fuhr die Fähre dann nach Rab ab. Unsere eingeholte Info besagte, dass wir nun schlappe 4 Stunden warten mussten, bis die nächste gehen würde.Gut essen und ein feines Alsterwasserchen versüssten uns die Wartezeit.Endlich auf Rab angekommen, suchten wir unsere kleine Pension, die wir vor über 20 Jahren schon einmal besucht hatten. Dank Silkes Supergedächtnis‘ fanden wir sie auch und konnten uns für einige Tage einmieten.
Während dieses Aufenthaltes erkundeten wir dann auch die Insel Rab. Aber endlich wieder mit dem Rad. Wir machten feine Sternfahrten, da die Insel doch nicht so groß ist und man überall mit dem Rad gut hinfahren kann. Auch war es bei Weitem nicht mehr so steil. Hat richtig Spaß gemacht.Als dann die zweite Woche zu Ende ging, fuhren wir über das Festland zurück…über Rijeka bis nach Opatija, wo wir uns wieder ein Zimmer mit Frühstück suchten. Klappte alles prima.Dann entschlossen wir uns, nochmals nach Österreich zu fahren. Dort wollten wir den Ossiacher See mit dem Rad umrunden. Schließlich umrundeten wir noch den Wörthersee und den Millstätter See. Und alles bei feinstem Wetter. Endlich konnten wir uns richtig erholen.Zu den Seeumrundungen später in anderen Thread mehr Infos.

Das war nun unser Urlaub, hart, echt hart. Aber schön war’s trotzdem.

Fazit: Wären wir nicht auf Cres so stark eingeschränkt gewesen, ich hätte mir die Fahrt zugetraut. Wir denken schon an eine Wiederholung.

Hinweise:
Kroatien ist nur eingeschränkt für Fahrradurlauber geeignet. Die Inseln Krk und Cres sind sehr hügelig, um es vorsichtig auszudrücken. Mit Kindern geht so eine Tour garnicht, zumal auch meistens keine Radwege vorhanden sind. Der Fahrzeugverkehr ist hin und wieder doch beängstigend. Sollte aber eine gute Kondition vorhanden sein, wird man mit vielen schönen Ausblicken und einer herrlichen Landschaft belohnt.
Auf Rab gibt es einen sehr schönen Sandstrand, der seicht tiefer wird. Ideal für Kinder. Aber auch für Erwachsene ;). Losinj, mit Mali und Veli zwei schöne Ort auf der Insel, lohneswert, tolle Häfen.
Mit Gepäckanhänger sind die Inseln schwerlich fahrend zu schaffen. Oft muss geschoben werden.
Lohneswerte Orte:
Krk auf Krk: Schöner Hafen
Baska auf Krk: sehenswerte Landschaft
Stara Baska auf Krk: Super Höhenstraße dorthin, auf jedenfall besuchen, enge Straßen, super Aussichten.
Beli auf Cres: bis 18 Prozent Steigung, bzw. Gefälle, sehr enge Straßen, aber schöner Hafen
Valun auf Cres: schöner Hafen, enge Straßen
Mali und Veli Losinj auf Losinj: schöne Häfen, Veli Losinj hat einen verträumten Hafen, nette Altstadt, Mali Losinj ist schon mehr Schickimicki, aber hat auch einen tollen Hafen. Feine Geschäfte.
Rab auf Rab: Feiner netter Hafen, schöne Altstadt, viele Fotomotive
Lopar: Super Sandstrand, mehr aber auch nicht, trotzdem lohnenswert
Cres auf Cres: Schöner Hafen, schöne Promenade, tolle Altstadt
Loznati auf Cres: Das beste Lammfleisch der Insel, einfach perfekt.
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Euer Michael von Travel-Cycle

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Über Travel-Cycle 181 Artikel
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2 Kommentare

  1. Hallo Michael,
    um Überraschungen durch das Navi zu vermeiden, mache ich es immer so, dass ich mir GPS Tracks von anderen Reisenden besorge und diese Strecke dann fahre. Den Routenplaner meines Gerätes nutze ich eigentlich nur, wenn ich z.B. in einem Ort eine Sehenswürdigkeit oder einen Supermarkt suche.
    Schöne Grüße
    Oliver

    • Hallo Oliver
      Wir hatten bezüglich unseres Navis keine Überraschungen. Die haben wir uns selbst gemacht, indem wir von der Naviroute abgewichen sind. Die Route an sich war schon ok. Aber das passiert halt, wenn man seinen eigenen Kopf durchsetzen will.
      Gruß Travel-Cycle

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