Die Metamorphose eines Campers

Aktualisiert am

Dieser Bericht zeigt die Metamorphose eines Campers vom Nutzer eines Campingplatzes hin zu einem „Freisteher“.

Wir möchten euch mit diesen Zeilen unseren Weg der Metamorphose eines Campers gerne nahe bringen. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere wieder und kann es nachvollziehen, warum wir diese Verwandlung vollzogen haben.

Zu Beginn unserer Camperzeit fanden wir uns oft mit unserem Wohnmobil auf einem Campingplatz wieder. Wir wollten es gemütlich und bequem haben. Sanitäre Anlagen waren uns mehr oder weniger wichtig. Es ist ja auch schon toll, morgens schnell in den platzeigenen Laden zu gehen, um sich frische Brötchen zu holen. Prima, war schon klasse.
Über den Tag hinweg konnten wir unser Wohnmobil alleine lassen, um auf Erkundung zu gehen. Meistens waren Fahrräder an Bord und so konnte der nächstgelegene Ort angesteuert und besichtigt werden.
Auch die Kinder freuen sich über einen Campingplatz, weil sie dort schnell Spielkameraden finden und Freundschaften schließen konnten. Meist ist auch ein Pool dabei, wo man sich in den heißen Tagen schnell Abkühlung verschaffen kann.

Vorteile Campingplatz

  • relativ sicher
  • teilweise große Stellflächen
  • Versorgung mit Lebensmitteln
  • oft ist ein Pool vorzufinden
  • oft mit Waschmaschine und Trockner etc.
  • Stühle und Tische können bei Abwesenheit stehen bleiben
  • manchmal Kinderanimation
  • oft Restaurant am Platz
  • Ver-und Entsorgungsmöglichkeit

Nachteile eines Campingplatzes

  • umständliches und nerviges An-und Abmelden
  • oftmals abends laut
  • relativ teuer
  • meist Mittagsruhe
  • Vorschriften
  • im europäischen Süden oftmals enge Zufahrten

Obwohl ein Campingplatz viele Vorteile hat, kamen wir irgendwann an einen Punkt, wo es uns einfach nur nervte, immer ein An- und Abmeldprozedere über sich ergehen zu lassen. Die Kinder waren nach Jahren der Campingplatzfahrerei auch schon so groß, so dass ein Campingplatz nicht mehr erforderlich ist.

Somit wollten wir etwas anderes ausprobieren. Wie wäre es mit einem Wohnmobilstellplatz? Diese oft umzäunten Areale bieten meist ebene Flächen, wo man gut stehen kann. Die Plätze werden auch gerne „Wohnmobilhafen“ genannt. Nicht zu verwechseln mit „einfachen“ Wohnmobilparkplätzen. Dazu kommen wir später.

Vorteile eines Wohnmobilstellplatzes

  • oft parzellierte Flächen
  • relativ große Parkflächen
  • Markisen, Tische und Stühle raus kein Problem
  • Brötchenservice
  • häufig Duschen und Toiletten
  • hin und wieder Waschräume mit Waschmaschine und Trockner
  • relativ sicher
  • man kann abfahren, wann man will
  • relativ zentrumsnah
  • Ver-und Entsorgungsmöglichkeit

Nachteile eines Wohnmobilstellplatzes

  • bei den moderneren Plätzen nerviges An-und Abmelden
  • manchmal Mittagspause
  • relativ laut (im Sommer)
  • gute Plätze in der Hochsaison oft voll besetzt
  • kosten relativ viel
  • kosten Geld

Oft nutzten wir diese Stellplätze, da es dort etwas unkomplizierter vorgeht als auf Campingplätzen. „Aber warum bieten sie Duschen und Toiletten an?“ fragten wir uns. Ein Wohnmobil verfügt in der Regel um diese Ausstattungsmerkmale. Aber gut, offensichtlich finden viele die Möglichkeiten der Ent- Und Versorgung auf Wohnmobilstellplätzen toll. Wir brauchen diesen Luxus nicht und warum soll man dann mehr bezahlen? Klar müssen Stellplatzbetreiber ihre Kosten wieder reinbekommen, aber nicht mit uns.

Diese Urlaubsform ist für UNS auch nicht die optimalste. Wir waren und sind nicht bereit, die Mehrkosten einer angebotenen Dusche oder Toilette auf einem Stellplatz mit zu finanzieren, deshalb muss eine andere Urlaubsform her.

Nun kamen die „einfachen“ Wohnmobilparkplätze in unser Visier. Die Kosten dieser Plätze werden meistens über Parkscheinautomaten abgewickelt, manchmal sind sie sogar kostenlos. Es sind nur Parkplätze, daran sollte man denken, wenn man einen solchen Platz ansteuert.
Wir wollten wissen, wie es auf solchen „Parkplätzen“ vor sich geht.

Vorteile eines „einfachen“ Wohnmobilparkplatz

  • günstig, oft kostenlos
  • man kann wegfahren, wann man möchte
  • Zentrumsnah

Nachteile eines „einfachen“ Wohnmobilparkplatz

  • eng
  • keine Stühle, Tische und Markise = kein campingähnliches Verhalten
  • ab und an kein Strom
  • oftmals keine Ver-und Entsorgungsmöglichkeit

Bei den ganzen Aufzählungen kann man schon sehen, dass sich die Gewichte zwischen den Vor-und Nachteilen der Plätze verschieben.

Jeder muss für sich entscheiden, welche Stellplatzform für ihn in Frage kommt. Jeder muss sich selbst wohlfühlen.

Wir waren immer noch auf der Suche nach der optimalen Form des Camperurlaubs, da es an jeder bis jetzt vorgestellten Form einige Nachteile gibt, die wir nicht unbedingt bereit sind, in Kauf zu nehmen.

Nun gibt es aber noch eine weitere Form des Wohnmobilurlaubs.

In verschiedenen Facebookgruppen kamen wir schließlich auf das Thema „Freistehen“. Hmm, wie sollen wir uns das vorstellen? Wie das Wort schon sagt, steht man „frei“, irgendwo im Gelände oder einer sonstigen schönen Örtlichkeit. Das hörte sich schon recht gut an, beschäftigen wir uns also mal damit. Wir informierten uns, wie man es am besten umsetzen könnte und kamen zunächst auf die Frage:

Wie können wir die Stromversorgung sichern?

Also musste weiter recherchiert werden. Solaranlagen war das Thema, fest auf dem Dach oder als sogenannte „Solartasche“ oder „mobile Solaranlage„. Ein Freund von weiteren vermeidbaren Löchern im Fahrzeugblech sind wir nicht gerade, denn es könnten potenzielle Wassereintrittsmöglichkeiten sein. Nein, das kam für uns nicht in Frage.

Also musste eine Solartasche etwas genauer unter die Lupe genommen werden.

Wieviel Leistung benötigen wir?
Wie können wir Strom erhalten, wenn wir man nicht am Fahrzeug sind?
Wie groß darf dieses Modul sein, um es noch vernünftig handeln zu können?
Wie hoch sind die Kosten der Anschaffung?

Wir kauften uns letztlich eine 120Wp Solartasche.

Was benötigen wir zur Stromversorgung noch?

Manchmal kommt das Schicksal ins Spiel und legt einem gleich die Antwort auf den Tisch. Da kam es uns recht, als sich eine unserer beiden Bordbatterien verabschiedete. Es ist allgemein bekannt, dass man dann beide wechseln sollte. Kann man hier vielleicht etwas anderes anstellen, als sich gleich zwei neue Bordbatterien kaufen zu müssen?

Ja. Wir kamen nach weiteren Internetrecherchen auf das Thema LiFePo4 Batterien.
Um es kurz zu machen. Diese LiFePo4 Batterien wiegen im Vergleich zu Bleibatterien ungefähr die Hälfte bei doppelter Leistung bei viel weniger Gewicht und viel mehr Ladezyklen.  Oha, dachten wir uns, leichter, mehr Leistung, längere Lebensdauer, was will man mehr? Bei einem 3,5 to Fahrzeug muss man auf jedes Kilogramm achten. Und jetzt kommt das ABER

  • LiFePo4 Batterien sind richtig teuer
  • unter 0 Grad ist das Laden dieser Batterien nicht möglich

Wollen wir das? Muss das sein?

Wir entschieden uns FÜR eine LiFePo4 Batterie und kauften uns eine 100Ah. Im Nachhinein eine gute Wahl, die wir jederzeit wieder treffen würden.

So, nun war das Thema Stromversorgung abgeschlossen und wir kamen dem Ziel „Freistehen“ immer näher.

Wie verhält es sich mit der Ver-und Entsorgung?

Wenn man in der Natur „frei“ steht, muss man sich Gedanken darüber machen, wohin mit dem Toiletten- und Abwassertankinhalt?

Wir haben eine Toilette an Bord, die nach meistens 2 Tagen der Entleerung bedarf. Und dann? Dann benötigt man eine Entsorgungsstation, wo man die Toilette entsorgen kann. Wir machten uns Gedanken darüber, wie man die Leerungsintervalle etwas verlängern kann, denn es kann ja mal vorkommen, dass man etwas länger an einem Hotspot verweilen möchte. Da kam wieder das Internet ins Spiel und UNSERE Lösung war eine zweite Toilettenkassette, die die Verweildauer glatt verdoppelt. Jaaaa, das sollte reichen, denn länger bleiben wir nicht an einem Ort. Anschließend fährt man eine Ver-und Entsorgungsstation an und kann dort für leere Tanks sorgen. Entsorgungsstationen, wo man auch gleich Wasser bunkern kann, gibt es in der Europäischen Union zuhauf.

Aber jetzt kommen die Skeptiker, die meinen: „Irgendwo in der Walachei stehen und dann kostenlos die Entsorgungsstationen nutzen wollen?“

Ich muss sagen, ja, so machen wir das. Wenn die Entsorgung Geld kostet, dann zahlen wir gerne unseren Obolus, für uns selbstverständlich. Wenn sie kostenlos sind, dann sind sie kostenlos. So ist das eben, ein schlechtes Gewissen haben wir nicht, warum auch?

Aber was tun, wenn KEINE Entsorgungsstation in der Nähe ist und man aber entsorgen möchte?

Dann gibt es die Möglichkeit der öffentlichen Toiletten oder man nimmt einen Spaten zur Hand. Voraussetzung für diese Entsorgungsmöglichkeit ist aber die Unterlassung vom Chemieeinsatz und sie sollte nur in wirklichen „Notfällen“ zum Einsatz kommen. Die Spatenvariante mussten wir zum Glück noch nicht in Anspruch nehmen.

Wir kommen nun langsam ans Ende der Metamorphose

Wir haben die optimale Form für UNS gefunden.

Vorteile des „Freistehens“

  • Ruhe
  • Freiheit
  • kostenlos
  • man ist flexibel

Nachteile des „Freistehens“

  • es fehlt die Ver-und Entsorgungsmöglichkeit
  • die Stromversorgung könnte knapp werden
  • keine „Beaufsichtigung“ des Fahrzeugs beim z.B. Besichtigen einer Stadt
  • kein campingähnliches Verhalten
  • keine vorhandene Müllentsorgung
  • bedingtes Sicherheitsgefühl

Die Form, die für uns die optimale ist, ist nun das „Freistehen“, obwohl wir auch Stellplätze oder Campingplätze anfahren. Campingplätze meistens, um in Ruhe Wäsche zu waschen oder wenn man sich im südöstlichen europäischen Raum befindet. Da fühlen wir uns dann doch sicherer.

Habt ihr Anregungen oder weitere Tipps? Dann schreibt einfach einen Kommentar.

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Silke und Michael genießen die Zeit, die sie mit ihrem Kastenwagen unterwegs sind. Ihre Freude ist immer riesig, wenn es wieder heißt: "Es kann losgehen!" Die Erlebnisse zeigen sie in diesem Reiseblog. Viel Spaß beim Schmökern

2 Kommentare

  1. Unsere Erfahrungen nach (erst) einem Jahr sind genau wie eure! Viele Stellplätze fanden wir für die angebotenen Leistungen oft überteuert oder einfach zu eng.Bisher waren wir aber immer nur max 5 Tage unterwegs,aber das sollte sich dieses Jahr ändern. Mal abwarten! Ver -und Entsorgen war meist ganz gut möglich, manchmal mussten wir bezahlen, oft aber auch nicht. Mit Park4Night findet man schnell Stationen, die auf dem Weg liegen. Selten sind wir 2 Nächte an einem Ort geblieben und wir haben nie Probleme in der Nacht gehabt. Wir achten wohl auch sehr darauf absolut keinen Müll oder andere Spuren zu hinterlassen. Wir hoffen auch in Zukunft schöne Platze zu finden. Wir sind gespannt auf neue Berichte von euch. LG das „DREAMER“ Team

    • Hallo Gerda vom DREAMER Team
      Vielen Dank für euer Feedback. Dann sind wir ähnlicher als man zu denken wagt 👍. Wir genießen die Zeit, wo wir „frei“ stehen. Das Thema Müll sehen wir wie ihr. Es wird nichts hingeworfen und wir nehmen auch immer alles wieder mit.
      Wir wünschen euch weiterhin viele schöne Fahrzen und tolle Erlebnisse.
      Michael vom Travel-Cycle Team

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